Simone Winko  

Hinweise


  • "JLT - Journal of Literary Theory". Die Zeitschrift erscheint seit 2007 mit zwei Heften pro Jahr. Das peer review-Organ veröffentlicht Beiträge aus dem weiten Forschungsfeld der Literaturtheorie. JLT ist richtungsübergreifend und interdisziplinär angelegt und hat sich zum Ziel gesetzt, die verschiedenen literaturtheoretischen Debatten in der internationalen Diskussion zusammenzuführen. Das Spektrum der Beiträge reicht von Grundlagenproblemen der Literaturwissenschaften bis hin zu anwendungsorientierten Studien mit systematischen Erkenntnisinteressen.
    Zum online-Auftritt der Zeitschrift: JLTonline


Projekt im Programm „Forschungsorientiertes Lehren und Lernen“

„Der Forschungsbezug und seine argumentativen Funktionen in literaturwissenschaftlichen Interpretationen (am Beispiel aktueller Interpretationen von Heinrich v. Kleists Michael Kohlhaas)“

Beteiligte: Stefan Descher, Fabian Finkendey, Anna-Lena Heckel, Merten Kröncke, Dennis Rey, Stefan Walfort, Simone Winko

Das Projekt untersucht am Beispiel von Interpretationen zu Heinrich von Kleists kanonischer Erzählung Michael Kohlhaas, in welcher Weise in der literaturwissenschaftlichen Interpretationspraxis auf andere Forschungsbeiträge Bezug genommen wird. Der Fokus liegt dabei auf der Frage, in welchem Maße (quantitativ) und auf welche Weise (qualitativ) sich Kohlhaas-Interpretationen argumentativ mit vorliegenden Interpretationen dieser Erzählung auseinandersetzen.

Diese Forschungsfrage geht auf ein Seminar zurück, das im Sommersemester 2016 am Seminar für Deutsche Philologie stattfand und das sich mit der Argumentationspraxis in aktuellen Kohlhaas-Interpretationen befasste. Ein überraschendes Ergebnis dieses Seminars war, dass in den untersuchten sechs Interpretationen bis auf wenige Ausnahmen keine kritische Auseinandersetzung mit konkurrierenden Forschungsbeiträgen stattfand, und dies obwohl die Erzählung mit über 100 literaturwissenschaftlichen Interpretationen allein in den letzten 20 Jahren zu den meistinterpretierten Texten der deutschen Literatur zählen dürfte.

Das Projekt verfolgt nun das Ziel, durch die Analyse eines repräsentativen Korpus aktueller Kohlhaas-Interpretationen zu prüfen, ob sich dieser Befund auch auf breiter Datenbasis bestätigen lässt. Sollte dies der Fall sein, stünde dies nicht nur im Widerspruch zu vermeintlich etablierten wissenschaftlichen Normen des Faches (die kritische Auseinandersetzung mit thematisch relevanter Forschung dürfte in sämtlichen Wissenschaften zu den Anforderungen gehören, die an ihre Vertreter gestellt werden), sondern würde auch auf Diskrepanzen zwischen der universitären Ausbildung, in der die argumentative Auseinandersetzung mit Forschungsliteratur in Seminardiskussionen, Hausarbeiten und Qualifikationsschriften zu den grundlegenden Anforderungen zählt, und der tatsächlichen wissenschaftlichen Praxis hinweisen. Die Resultate der Projektstudie wären in diesem Falle von hoher Relevanz für die Selbstwahrnehmung innerhalb des Faches. Aber auch wenn sich der Ausgangsbefund im Untersuchungskorpus nicht bestätigen sollte, werden die Ergebnisse literaturwissenschaftlich relevant sein, da sie Einsichten in einen wichtigen Aspekt der Fachpraxis vermitteln, der bislang noch kaum erforscht ist. So gibt es nur wenige Studien, in denen die argumentative Einbindung von Forschungsliteratur behandelt wird, und keine, die dieses Thema in ihr Zentrum stellen und auf der Basis eines umfangreichen Textkorpus untersuchen.