Simone Winko  

Forschungsgebiete

  • Theorie der Literatur und Methodologie der Literaturwissenschaft
  • Theorie der Wertung von Literatur und Kanonbildung
  • Literatur um 1900
  • Digitale Literatur
  • Literaturwissenschaft und Linguistik

Aktuelle Forschungsprojekte

Emotionen in Lyrik-Anthologien um 1900:
Quantitative und hermeneutische Ansätze

Ziel des Projekts ist die quantitative Analyse eines großen Korpus deutschsprachiger Gedichte aus der Zeit um 1900, um Aufschluss über den Einsatz von Emotionen und emotionalisierenden Verfahren in den Texten zu erhalten. Die auf diese Weise gewonnenen Ergebnisse sollen dann mit hermeneutisch gewonnenen Ergebnissen zu demselben Korpus verglichen werden. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, in welcher Weise beide Herangehensweise einander ergänzen können.

Das Korpus besteht aus zwölf Anthologien zeitgenössischer deutschsprachiger Lyrik um 1900:

  1. Arent, Wilhelm (Hg.): Moderne Dichter-Charaktere. Mit Einleitungen von Hermann Conradi und Karl Henckell. Leipzig: Friedrich; Berlin: Kanzlah 1885.
  2. Bierbaum, Otto Julius (Hg.): Moderner Musenalmanach auf das Jahr 1893. Ein Sammelbuch deutscher Kunst. München: Albert 1893, und Bierbaum, Otto Julius (Hg.): Moderner Musenalmanach auf das Jahr 1894. Ein Jahrbuch deutscher Kunst. Zweiter Jahrgang. München: Albert 1894.
  3. Tille, Alexander (Hg.): Deutsche Lyrik von Heute und Morgen. Mit einer geschichtlichen Einleitung. Leipzig: Naumann 1896.
  4. Gemmel, Ludwig (Hg.): Die Perlenschnur. Eine Anthologie moderner Lyrik. Berlin, Leipzig: Schuster und Loeffler 1898.
  5. Jacobowski, Ludwig (Hg.): Neue Lieder der besten neueren Dichter für’s Volk. Berlin: M. Liemann 1899.
  6. Renner, August (Hg.): Das lyrische Wien. Eine moderne Lese. Mit Dichtungen von Ferdinand v. Saar, J.J. David, Franz Herold, Hermann Hango, Josef Kitir, F. Dörmann, C.v. Levetzkow, Arnold Hagenauer, Paul Wilhelm, Carl Maria Klob, Hugo von Hofmannsthal. Wien, Berlin, Leipzig: Georg Szelinski 1899.
  7. Benzmann, Hans (Hg.): Moderne deutsche Lyrik. Mit einer literargeschichtlichen Einleitung und biographischen Notizen. Leipzig: Reclam 1904.
  8. Bethge, Hans (Hg.): Deutsche Lyrik seit Liliencron. Leipzig: Hesse 1905.
  9. Die Erde. Neue Dichtungen von Waldemar Bonsels, Hans Brandenburg, Bernd Isemann, Will Vesper. München: E.W. Bonsels 1905/06.
  10. Federmann, H.[erta] (Hg.): Der Schatzbehalter. Ein Brevier zeitgenössischer Lyrik. München: Steinicke & Lehmkuhl 1908; Königsberg: Deutschherren-Verlag 1909.
  11. Friedrich, Paul (Hg.): Neuland. Ein Buch jüngstdeutscher Lyrik. Im Auftrag der Gesellschaft für Literatur und Kunst „Neues Leben“ hg. v. P. F. Berlin: Borngräber 1911.
  12. Huch, Margarete [d.i. M. H. Gareth] (Hg.): Frauenlyrik der Gegenwart. Eine Anthologie zusammengestellt und hg. v. M. H. Leipzig: Eckardt 1911.

Arbeitsschritte:

  1. Digitalisierung der Anthologien: Nur eine der Anthologien („Moderne Dichter-Charaktere“) lag bereits in digitalisierter Form vor. Die übrigen 11 wurden per OCR digitalisiert, Korrektur gelesen und nach TEI-Standards eingerichtet. Diese Schritte erwiesen sich – u.a. weil die meisten Anthologien in Frakturschrift vorliegen – als sehr zeitaufwändig, konnten aber 2016 abgeschlossen werden. Die Anthologien werden in das TextGrid Repository integriert.
  2. Analyse der ca. 2.800 Gedichte mithilfe verschiedener quantitativer Verfahren (sentiment analysis, topic modeling). Gefragt wird danach, welche Emotionen in den Gedichten vorkommen und wie Emotionen und emotionalisierende Sprechweisen eingesetzt werden. Ausgangspunkt für die Formulierung der leitenden Fragen im Einzelnen und damit der Auswahl und Ausrichtung maschineller Auswertungsverfahren sind hermeneutisch gewonnene Thesen (Winko 2003).
  3. Vergleich der hermeneutisch und quantitativ gewonnenen Ergebnisse.

(Leitung: Simone Winko; Mitarbeit: Isabel Schlie, Lena Walter; Kooperation mit TextGrid und Fotis Jannidis, Lehrstuhl für Computerphilologie und Neuere Deutsche Literaturgeschichte, Würzburg); das Projekt ist als Use Case eingebunden in DARIAH-DE III, Cluster 5: Big Data in den Geisteswissenschaften: Topic Modeling


Literaturwissenschaftliches Argumentieren

Das literaturwissenschaftliche Argumentieren ist eine grundlegende Praktik zur Erzeugung und Vermittlung disziplinären Wissens. Wie andere Praktiken auch - etwa das Bibliographieren - weist es Fachspezifika auf, wird allerdings weder in Einführungen in die Arbeitstechniken des Faches vermittelt, noch kann es als erforscht gelten: Das Argumentieren in der Literaturwissenschaft ist bislang nur ausschnittsweise rekonstruiert worden, so dass es weniger gesichertes Wissen als scheinbare Gewissheiten gibt. Eine Bestandsaufnahme ist wichtig, weil sie zum einen das Wissen der Literaturwissenschaftler über die eigenen Praktiken vertieft und damit ein fachgeschichtliches Defizit ausgleicht; zum anderen trägt sie dazu bei, auch ein methodisches Desiderat zu beheben: Bislang liegt kein Instrumentarium vor, mit dessen Hilfe literaturwissenschaftliche Argumentationen auf angemessen komplexe Weise analysiert werden können; für die gesuchte Bestandsaufnahme muss es entwickelt werden. In dem Projekt wird auf der Basis vorliegender argumentationstheoretischer, philosophischer, rhetorischer und linguistischer Beiträge ein Verfahren zur Analyse literaturwissenschaftlicher Argumentationen erarbeitet, das sich auf das Herstellen von Plausibilität in literaturwissenschaftlichen Beiträgen konzentriert. Es wird eingesetzt, um ein größeres Korpus literaturwissenschaftlicher Interpretationstexte auf ihre im weiteren Sinne argumentativen Mechanismen hin zu untersuchen.

Eigene Vorarbeiten zu diesem Projekt:

  • Autor-Funktionen. Zur argumentativen Verwendung von Autorkonzepten in der gegenwärtigen literaturwissenschaftlichen Interpretationspraxis. In: Heinrich Detering (Hg.): Autorschaft. Positionen und Revisionen. Akten des DFG-Symposions Salzau, September 2001. Stuttgart: Metzler 2002, S. 334-354.
  • Begriffsbildung. In: Vera Nünning (Hg.): Schlüsselkompetenzen. Qualifikationen für Studium und Beruf. Stuttgart: Metzler 2008, S. 64-77. (zusammen mit Fotis Jannidis)
  • Zum Vergleich literaturwissenschaftlicher Interpretationen. In: Andreas Mauz/Hartmut von Saas (Hg.): Hermeneutik des Vergleichs. Strukturen, Anwendungen und Grenzen komparativer Verfahren. Würzburg: Königshausen & Neumann 2011, S. 305-320. (zusammen mit Tilmann Köppe)
  • Zur Plausibilität als Beurteilungskriterium literaturwissenschaftlicher Interpretationen. In: Andrea Albrecht/Lutz Danneberg/Olav Krämer/Carlos Spoerhase (Hg.): Theorien, Methoden und Praktiken des Interpretierens. Berlin, Boston: de Gruyter 2015, S. 483-511.
  • Standards literaturwissenschaftlichen Argumentierens. Grundlagen und Forschungsfragen. In: Germanisch-Romanische Monatsschrift 65/1 (2015), S. 14-29.

Zu weiteren Projekten und Initiativen